26.3.

ich sitze im zug und freu mich still vor mich hin, weil der herr, der wie ein in die jahre gekommener trapper gekleidet ist, in wolfsburg aussteigt – auf geht’s in die wildnis, fallensteller.
etwas später steigt die nonne, die mir gegenüber saß, in münster aus.
ich kichere – wo sollte sie auch sonst aussteigen?

ich steige in essen aus.
dazu dürft ihr jetzt assoziieren.

23.3.

meine nichte begrüßt mich mit den worten „du siehst aber lustig aus!“
ich dachte, mein sorgfältig ausgewähltes outift wäre mit den worten „interessant“, „raffiniert“ oder „schick“ zu beschreiben, aber -hey!- „lustig“ ist aus dem mund einer 6jährigen ja auch irgendwie eine auszeichnung.

…hoffe ich zumindest…

19.3.

eine durchsage schallt durch den supermarkt: „bitte die zweite kasse besetzen“.
sofort stürmt eine gruppe schwarz gekleideter, vermummter menschen mit schwarzroten fahnen aus dem lagerraum. begeistert johlend springen sie über die kundenschranke, erobern den drehstuhl, stellen ihren mitgebrachten CDplayer vor das kassenmikro und drücken auf play. tonsteinescherben singen scheppernd „das! ist! unser! haus! ihr kriegt uns hier nicht raus!“, die umstehenden klatschen begeistert und solidarisch. gerade gekauftes essen wird ausgepackt und mit den vermummten geteilt. ein gut gekleideter mitvierziger klopft ihnen auf die schultern: „toll das ihr das macht! stand ja auch wirklich zu lange leer!“

„fünf euro achtundneunzig bitte“
die stimme der kassiererin holt mich zurück. ich krame nach meinem portemonnaie.
schade, doch noch keine realexistierende anarchie im penny an der altendorfer straße.

15.3.

im museum hamburger bahnhof in berlin stehe ich begeistert assoziierend vor einer beuys-installation. ein universum an gedanken öffnet sich in mir. ich erkenne zusammenhänge, ziehe rückschlüsse auf meine eigene arbeit, gehe völlig auf in meiner freude über die bildende kunst.
am gegenüberliegenden ende des raums fotografiert eine besucherin die vorhänge der museumsfenstern.

11.3.

in den guten alten 90ern schickte marijke amado in der miniplaybackshow die sehr jungen teilnehmer*innen immer zur verwandlung vom kind zum ministar in die zauberkugel.
ich stelle fest: 2018 ist meine zauberkugel die zugtoilette. hinein schlurft ein müdes wesen in gemütlichen klamotten, das irgendwo im ruhrgebiet frühst in den zug gefallen ist – hinaus kommt die gut gekleidete, interessant frisierte, strahlende, aufstrebende jungregisseurin.
tadaaa!