27.6.

dortmund, nordstadt: „rotlichtviertel“ sagt wikipedia. „gefahrengebiet!“ sagt die polizei. „zieh da bloß nicht hin!“ sagen die besorgten bürger*innen.
ich sitze abends an der hauptstraße des viertels. hinter mir scheppert es, irgendetwas fliegt auf die straße. huch?! was ist da los?
ich drehe mich um:
ein haufen leerer getränkedosen kollert über die straße.
der junge mann, dem sie hingefallen sind, sammelt alle dosen wieder ein und trägt sie zum nächsten mülleimer.

is‘ schon echt was los auf’m kiez…

25.6.

bei mir in der straße hing bis vor einer weile an einer laterne ein mülleimer. der wurde irgendwann abmontiert als die laterne repariert wurde. jetzt hängt da nur noch der deckel, ohne mülleimerkorb darunter. trotzdem legen ständig menschen ihren müll genau unter den mülleimerdeckel. am fuß der laterne stapeln sich leere dosen, hundekacketütchen, alte zeitungen. der müll liegt nicht einfach wild in der gegend herum, sondern wird tatsächlich dort bewusst aufeinander abgelegt. „wir haben hier schon immer unseren müll hingebracht!“ – das menschliche gewohnheitstier siegt über die realen umstände.

21.6.

auf dem gehweg sitzt eine punkerin. hinter ihr steht ein großer rucksack, vor ihr ein pappbecher fürs kleingeld. sie schläft im sitzen und sackt immer wieder zusammen, ihr oberkörper taumelt, sie wird kurz wach, setzt sich wieder aufrecht -und schläft dann doch wieder ein. alle zehn sekunden ist sie kurz davor, einfach komplett (und wahrscheinlich schmerzhaft) auf dem asphalt zu landen.
auf ihrem tshirt steht „stupid gravity“.